Mittwoch, 31. März 2010

Sonntag, 7. März 2010

J.B. Becker - Eine kleine Probe




Am 06.03.10 trafen sich trotz 15cm Neuschnees ein Paar Gleichgesinnte im schönen Rheingau. Nach der Versteigerung im Kloster Eberbach hatte Hans Josef Becker in seinen Pavillon nach Walluf geladen. Auf diesem Wege nochmals ein Dankeschön!

Alle Flaschen wurden direkt nach dem Öffnen verkostet.

Den Beginn machte ein 1997er Eltviller Rheinberg Kabinett.

Sehr trocken, sehr würzig. Nelken?, Wacholderbeeren!
Ein genialer Wein zu hellem Fleisch. Ich könnte mir ihn auch gut zu Sauerbraten vorstellen!
Schöner langer Abgang.

Weiter ging es mit 1990 Wallufer Walkenberg Spätlese trocken

Ein Extremist durch und durch.
Größerer Durft als beim Wein 1. Trotz des gewissen Alters noch sehr frisch wirkend. Entwickelt sich stark im Glas und braucht Luft.
Gänzlich trocken, dabei animierend und unglaublich authentisch (wie alle verkosteten Weine)
Wird sich noch ewig weiterentwickeln.
Solch einen Wein in 30 o. 40 Jahren trinken zu dürfen, oder einen solchen Wein aus den 50ern, das wäre grandios.
Wenn die Alterssüße und der typische Schmelz, welcher ebenfalls bei sehr alten Rieslingen häufig anzutreffen ist, noch abrundend hinzukämen, hätten wir es hier mit einem wirklich großen Wein zu tun. Ich werde ihn einkellern und melde mich dann 2040 an dieser Stelle wieder!

Als dritter Wein folgte die selbe Lage aus 1992 (Wallufer Walkenberg Spätlese trocken)

Noch mineralischer als 1990, etwas runder und stärker im Duft, wohl etwas gefälliger durch den leicht höheren Restzucker. Für mich aktuell einen Tick vor 1990, jedoch nicht mit dem letzen Druck und dem Potential des Vorgängers aber mit riesen Trinkvergnügen.

Nummer vier war die QBA 1997 Eltviller Rheinberg

Die Größte Überraschung: Trotz zweifach niedrigeren Prädikats, nur ein kleiner Abstieg in der absoluten Qualität! Der finale Druck und die Länge fehlen zwar im Vergleich, aber für eine Qualitätswein wirklich ausgezeichnet. Vor allem: Welcher Winzer kann auf seiner offiziellen Verkaufskarte noch mit Qba's aus den 90er Jahren auftrumpfen?

Als fünfter Wein folgte ein Sprung in die Neuzeit mit 2003 Wallufer Walkenberg Auslese trocken
(Am Abend noch nachverkostet)
Mamma mia, was für ein '03er! Keine Müdigkeit, keine "Mast", kein spritter Alkohol-Ton.
Vielleicht ein klitze klein wenig hemdsärmelig, aber aktuell kann man dem Wein kaum widerstehen. Sehr viel Druck, verhältnismäßig höhere Restsüße, leicht schmelzig, dabei trotzdem noch in gewisser Weise frisch (für den Jahrgang).
Alterungspotential ist definitiv da, (in meinen Augen wahrsch. mehr als bei vielen deulich restsüßeren, modernen Großen Gewächsen) aber trinkt sich jetzt schon fabelhaft.

Nummer sechs, kurz vor dem Aufbruch: 2007 Wallufer Walkenberg Auslese trocken

Super jung, ganz gegensätzlich zu vielen oben zitierten Grossen Gewächsen aus 2007, die jetzt schon herrlich zu trinken sind (was aber definitiv auf die Halbarkeit gehen wird).
Die stärkere Säure als im Jahr 2003 balanciert den Wein besser aus. Langer Nachhall, wird in seiner Trinkreife an 2003 vorbei ziehen.

Zu Hause angekommen war der Riesling-Durst noch immer nicht gestillt und eine
1990er Wallufer Walkenberg Spätlese
wurde noch geöffnet. -> Das Highlight!

Eine einfach nur geile, angereifte Nase. Leicht laktisch (nicht so extrem wie gekochte Milch, dezenter!), mineralisch und dabei noch würzig. Eine Kombination die unheimlich neugierig auf wirklich reife Auslesen macht, denn alleine diese Spätlese ist schon großartig.
Balance wird hier groß geschrieben, dabei nicht besonders füllig, eher elegant und finessig!

Ein sehr sehr schöner Wein, der leider ausverkauft ist, oder zumindest bald :-)