Samstag, 2. Januar 2010

Vosne Romanée 1934, Lalignat Chameroy ... das Experiment



Flasche minus 7-8cm, keine Leckage, kein Geruch. Flasche wurde im Hause durch Wax versiegelt.


Geöffnet am 01.01. gegen 22,15 Uhr

Süße, malzige Erdbeernase. Grafschafter Zuckerrüben Sirup.
Am Gaumen süße Kirsche, sehr voll, dabei aber noch mit leicht spitzer Säure und sehr blutig. Eine eher kühle Aromatik, leicht metallisch, aber definitv groß.

Flasche wieder mit einem Kork verschlossen und in den kühlen Keller gestellt.
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02.01. gegen 15Uhr

Am Gaumen der absolute Wahnsinn. Süße Amarena Kirschen, unheimlich voll und süß.
Die Säure ist genial integriert und stütz den Wein nur noch, steht nicht mehr uneingebunden aussen vor.
Die metallische, blutige Art ist im Abgang noch zu erkennen (in der Nase nicht mehr).
Jetzt schon (oder besser gesagt, jetzt erst) ein Wein auf 18+ Niveau.
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02.01. 17,30Uhr bis 19 Uhr

Warme, runde Nase. Jetzt ein komplexes Ganzes. Stark aus dem Glas strömend, ganz groß.
Kirsche, Zückerrübensirup.
Am Gaumen jetzt (19,15Uhr) perfekt, alles integriert.
Noch immer leicht blutig aber auf angenehmste Art und Weise. Ein Weinmonument, mit min. 20 Jahren Zukunft!

19,5 / 20

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Zeit für ein kleines résumé: Eine möglichst schonende Belüftung für große, wirklich alte Burgunder scheint die beste Variante darzustellen. Dies dann mit entsprechend langem zeitlichen Horizont.

Bislang war die Vorgehensweise, dass die Weine morgens gegen 8Uhr geöffnet wurden, ohne sie wieder zu verschließen, was auch bereits sehr gute Ergebnisse geliefert hat.

Die langsame Belüftung über ca. 18 Stunden scheint sich jedoch deutlicher als gedacht als beste Variante herauszustellen.
Es wurden vom 1934er Vosne Romanée bereits vier Flaschen auf unterschiedliche Weise belüftet.
Das Dekantieren war nach dem Öffnen und direkten Trinken die unbefriedigendste Methode. Der Wein blüht zwar innerhalb relativ kurzer Zeit etwas auf, wird aber auch schwammiger und weniger definiert. Es scheint, als ob alle Töne "breiter" werden würden, auch die unschönen.
Hier liegt der Unterschied zur langsamen Belüftungsmethode:
Dabei wird im Grunde nur das Potential / das "Fleisch", welches im Wein schlummert geweckt und dieser kann auf diese Weise die fast immer nach dem Öffnen vorherrschende, stramme Säure einbinden.

Ein Vorteil des Dekantierens ist jedoch, dass man so auch spontan einen alten Wein genießen kann.
Mit etwas Planung lässt sich der Genuss durch ein früheres und sanfteres Belüften jedoch steigern.

Was noch hervorzuheben wäre, ist der schlechte Füllstand der zuletzt verkosteten Flasche.
(Die drei vorherigen Flaschen befanden sich vom Füllstand her in besserem Zustand.)

Trotz der 7-8cm und der damit verbundenen Konfrontation mit Sauerstoff, waren die 18-20 Stunden Öffnungsdauer keinesfalls zu viel (natürlich nach dem Öffnen und dem zwischenzeitlichen probieren wieder mit Kork verschlossen) .
Bei sehr guten Füllständen sollte man nach dem Öffnen wahrscheinlich (was sowieso empfehlenswert ist, um einen Vergleichspunkt zu haben) einen winzigen Probeschluck ausschenken,
EDIT:
um den Füllstand zu senken und der Luft eine etwas größere "Angriffsfläche" zu ermöglichen.

2 Kommentare:

  1. Interessanter Bericht, danke dafür. Ich habe aber eine Anmerkung zu "edit". Wenn ein Probeschluck genommen wird, gelangt durch das (durchaus minimale) Ausschenken relativ viel Sauerstoff in den Wein. Die minimale Vergrößerung der Oberfläche hat da praktisch keinen Einfluss. Dies wurde schon vor Jahrzehnten in der University of Davies untersucht und festgestellt. Daher ist auch das bloße Öffnen und dann Stehenlassen einer Flasche kaum wirksam, wenn es um die kurzfristige (bis 8h) Wirkung des Sauerstoffes gehen soll.

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  2. Vielen Dank Herr Bajano.

    Bei der Wirksamkeit während des "normalen" Stehenlassens stimme ich nicht unbedingt mit Ihnen überein.
    Aktuell ist darüber im Parker Forum
    http://dat.erobertparker.com/bboard/showthread.php?t=218265
    eine recht hart geführte Diskussion entbrannt.
    Ich bin kein Physiker und kann den genauen Ablauf der Sauerstoffreaktion im Wein nicht nachvollziehen, jedoch hat die Erfahrung (bei einigen Degustatoren) gezeigt, dass auch die simple Öffnung der (alten!) Flasche über wenigstens 5 Stunden einen äusserst positiven Effekt auf den Genuss.
    Diese Variante bevorzuge ich bei Bordeaux, da hier die Säure zu Beginn meist weniger "brutal" im Vordergund steht und Bordeaux in meinen Augen auch deutlich anfälliger gegen Luft sind als Burgunder.

    Die verschiedenen Inhaltsstoffe im Wein wie Tannin, Gerbstoffe, Säure, etc. scheinen auf verschiedene Art und Weise mit der Luft in Verbindung zu stehen. Manchen sind wohl anfälliger als andere und reagieren mit Veränderung (in welcher Weise auch immer).

    Der von Francois Audouze im Parker-Forum angedeutete Vergleich mit einem Aschenbecher neben der geöffneten Flasche Wein, wessen "Aroma"sich innerhalb kurzer Zeit im gesamten Wein wiederfinden kann, finde ich durchaus passend und interessant...

    Das Thema wird mich auf jeden Fall noch lange begleiten und ich mich werde mich noch öfter dahingehend äussern.

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