Sonntag, 28. Februar 2010

-Frankfurter Weinrunde / Rotweine deutschsprachig-


Am 27.02.10 traf sich die Frankfurter Weinrunde zu einer spannenden Probe.
Rotweine aus Deutschland & von deutschsprachigen Nachbarn.
Möglich waren also z.B. auch Weine aus der Schweiz, Südtirol, Österreich etc.

Herr Hans Josef Becker vom Weingut J.B. Becker aus Walluf begleitete den Abend zum ersten, doch hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Wein 1:
Los ging es mit einem angereiften Wein, der erst kurz vor dem Ausschenken geöffnet wurde und so noch nicht alles zu zeigen in der Lage war.
Die Nase jedoch direkt aussergewöhnlich schön burgundisch.
Am Gaumen noch etwas verhalten (änderte sich deutlich mit Luft, wurde fleischiger, mit sehr ordentlicher Länge und wiederum fast burgundisch anmutende Finesse) und jünger wirkend.
Mein Tip lautete auf die Mitte der 90er Jahre.

1988 J.B. Becker, Wallufer Walkenberg Spätburgunder Spätlese trocken

91 (+) wird mit mehr Reife noch einen Punkt drauflegen können

Wein 2:
Schwächere Nase als beim Vorgänger, jedoch sehr typische Aromatik für diesen Wein...
Nasser Feuerstein- Stinker, nicht ganz sauber.
Am Gaumen etwas mehr Süße, dabei aber deutlich älter und gezehrt wirkend.

Welch schöner Zufall, hatte ich im Keller doch ebenfalls eine 88er Spätlese gegriffen...

1988 Staatsweingüter, Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Spätlese trocken Versteigerungswein

88

Wein 3:
"Ganz andere Nase, sehr eigenständig" dazu schrieb ich noch "wahrsch. ein hoher Wiedererkennungswert".
Da staunte ich aber nicht schlecht, als es sich hierbei ebenfalls um den Höllenberg handelte!
Am Gaumen geschmeidig, wieder nicht sehr überragend lang im Abgang, aber schön rauchig und einprägsam.

1990 August Kesseler, Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder (Prädikat ?) trocken

90

Wein 4:
Ein kleiner Schritt nach oben. Komplexe Nase, bislang ungeschlagen (Wein 1 zieht beim Nachverkosten am Schluss noch vorbei, wobei man sagen muss, dass Wein Nr.4 nicht nachverkostet werden konnte da leer...)
Säure stand trotz Doppeldekantierung vor einer Stunde noch etwas im Vordergrund, was aber absolut nichts ungewöhnliches ist.
Zum größeren Wein fehlt zwar der Schmelt und letzendlich mehr Länge, wobei dies hier aber jammern auf hohem Niveau ist.

1990 Meyer Näkel, Spätburgunder S

92, jetzt auf dem Höhepunkt, hat aber die Kraft sich noch einige Zeit zu halten.



Wein 5:
Deutlich jünger, fast unentwickelt, Holz noch leicht im Vordergrund.
Wirkt etwas modern, aber nicht gemacht (diese Weine kamen noch), was letztlich am Jahrgang lag.
Sehr kräftig am Gaumen mit viel Alkohol, dabei aber fabelhaft trocken.

2003 J.B. Becker, Wallufer Walkenberg Spätburgunder Auslese trocken

Hier wird sich in den kommenden Jahren noch einiges tun. Der Wein wirkt sehr sehr jung und deutet Entwicklungspotential über 10 Jahre und mehr an, allerdings fehlt es mir etwas an Säure.
Wo die Reise letzendlich hin geht wird sich noch Zeigen, ich denke die 90 und etwas mehr könnten in Reichweite sein.

88 (++)

Wein 6:
Nochmals deutlich jünger, strömt stark. "Großer" Wein nach Ansicht diverser Kritiker, aber in meinen Augen zwar nett anzusehen, aber deutlich zu stark geschminkt. Holz wirkt hier maskierend und die gesamt Struktur wirkt mir zu gekünstelt.
Das wäre der perfekte offene Wein für 20€ /Flasche, der so ziemlich jeden Geschmack treffen würde.
Ganz so "schlecht" ist der Wein zwar nicht (was sich auch in der Bepunktung wiederspiegelt), ich will ihn auch nicht niedermachen, aber den "Kultstatus" mit entsprechenden Preisen kann ich nicht nachvollziehen

2005 Gantenbein, Pinot Noir

sehr kritische 92,5 (man kann das auch anders sehen)

Wein 7:
Als Kontrastprogramm ein "echter" Pinot und somit erster Pirat an diesem Abend.
Das es sich hierbei um meinen Import dreht halte ich die Notiz etwas in Grenzen.
Der verehrte Leser wird sich denken, dass die Kritik wohl positiv aussfallen dürfte, der Wein will schließlich verkauft sein... Doch ich beschreibe den Wein nicht damit ich verkaufe, sondern ich habe ihn gekauft auf Grund der Qualitätsüberzeugung und der einheitlichen Notizen.

Weniger bereit oder "trinkbar" als der Vorgänger. Die einzelnen Komponenten stehen noch etwas nebeneinander. Aber wie sie stehen! Die Kombination aus Reifegrad der Trauben (nicht überreif!), Säure (in meinen Augen immens wichtig für Haltbarkeit) und letzendlich Einsatz des Holzes (meisterhaft dosiert, stützt nur, ist auch deutlich da, glänzt aber gleichzeitig durch Abwesenheit!) macht diesen Wein für mich aus.

2006 JanotsBos, Volnay

92 (mit Potential über viele Jahre zu 93+)

Wein 8:
Im Nachhinein hätte der Wein erkannt werden können (typische Nase), doch darauf wollte ich nicht nicht kommen...
Besonders angenehm auffällig war die Reife und eine schöne Säure, welche ich bei dem mehrmals zuvor verkosteten 2004er sehr vermisst hatte.
Sicherlich auf Niveau von Wein 4, wobei dieser noch schöner gereift war.
Die Länge im Abgang war bemerkenswert.

1999 Duijn, Spätburgunder SD

92

....wird fortgesetzt....

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen